Die Urkunde mit der Erstnennung Owens
Ausgestellt auf Burg Teck am Nikolaustag des Jahres 1261
mit einer Anmerkung zum "Übelritter von Owen"

Aufbewahrungsort der Urkunde: Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand Salemer Urkunden 4. Druck: Codex diplomaticus Salemitanus, Bd. 1, hg. v. F. v. Weech, Karlsruhe 1883, S. 401.
Die Nennung Owens findet sich in der ersten Zeile am Zeilenende als "Ber(tholdus) dictus vbolRather de Owen", die Datierung am Zeilenende in der siebten und der achten Zeile mit "anno dni M°.CC°.Lxi° in die Nicolai". Mit einem Pergamentstreifen angehängtes rundes Wachssigel mit gewecktem Dreiecksschild, Umschrift: SIGILLVM : LVDVVICI : DVCIS : DE : TECKE
Zeilengenaue Transkription und interlinear angenäherte Übersetzung
Zeile 1:
Noverint universi tam presentes quam posteri, quod ego Ber(tholdus) dictus Ubelrither de Owen
Alle jetzt und zukünftig Lebenden sollen wissen, dass ich, Berthold genannt Übelritter von Owen,
Zeile 2:
quondam indaginem sitam apud Kunigen in mensura V iugerum libere vendidi
ein gewisses Waldstück bei Köngen, das 5 Jauchert umfasst und frei von Belastungen ist,
Zeile 3:
religiosis monachis de salem pro iii libris hallensium, ut inperpetuuum ad monasterium ipsorum
den frommen Mönchen von Salem für 3 Pfund Heller verkauft habe, damit es in alle Ewigkeit deren Kloster
Zeile 4:
debeat legitime pertinere. Ego quidem idem nemus venditum teneor pueris fratris mei Fr(iderici)
rechtmäßig gehört. Infolge des Verkauf jenes Waldstückes muss ich den Kindern meines verstorbenen Bruders Friedrich
Zeile 5:
bone memorie pro tanta summa denariorum in conparatione aliorum bonorum reconpensare. Ut autem
andere Güter geben, die jenem Betrag an Denaren entsprechen. Damit dies
Zeile 6:
firmum et ratum permaneat, sigillum domini nostri Lud(ovici) ducis de Tecke presenti ce-
dauerhaft und rechtskräftig verbleibe, haben wir veranlasst, dass zur Beglaubigung der Rechtshandlung an diese Urkunde das Siegel unseres Herrn, des Herzogs Ludwig von Teck,
Zeile 7:
dule duximus in testimonium gestorum appendendum. Acta sunt hec anno domini M°.CC°.LXI°
angehängt wird. Geschehen ist dies im Jahre des Herrn 1261.
Zeile 8:
in die Nicolai. Data apud Tecke.
am Nikolaustag. Ausgestellt auf Burg Teck.
Übersetzung: Dr. Rolf Götz, Weilheim. Für Hinweise danke ich Dr. Roland Deigendesch, Stadtarchiv Kirchheim.
Anmerkungen zum "Übelritter von Owen":
Berthold, Übelritter von Owen, wie er in der Urkunde von 1261 genannt wird, ist eine geheimnisvolle Figur. Wie es zur Bezeichnung "Übelritter" kommen konnte, die seit der Edition des Herrn von Weech teils mit Nachdruck verteidigt, teils als Nachlässigkeit in der Transkription angesehen wird, lässt sich wohl nicht aufklären. Was feststeht ist: in der Urkunde steht kein "Übelritter" sondern ein vbolRather, und was das bedeuten mag, darüber mögen sich die Gelehrten streiten.
Nachfolgend soll kurz und nüchtern zusammengefasst werden, was wir derzeit über "Bertold, den Übelritter" wissen könn(t)en:
Aus der Ortsgeschichte Oßweils
In der Ortsgeschichte von Oßweil, das heute ein Stadtteil Ludwigsburgs ist, werden die "Übelritter von Owen" so genannt: "Möglicherweise als Nachfolger der Winter v. Oßweil, gar durch Einheirat, kamen die Übelritter v. Owen in den Besitz des anderen Oßweiler Ritterguts, des 'Schlosses'." Und weiter: "Die Übelritter von Owen, als Ministerialen der Grafen von Löwenstein in unsere Gegend gekommen, und zwar 'als Vögte von Affalterbach und Beihingen, Ortsherren in Hochberg, Hochdorf und Burgherren zu Heutingsheim', hatten schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts Besitz vom Oßweiler 'Turm' ergreifen können und nannten sich fortan schlicht danach 'von Oßweil'. Im Wappen führten sie das angestammte Widderhorn als Symbol ihrer Kampfbereitschaft, ihres Mutes und ihrer Stärke, was wiederum zu ihrem Familiennamen Übelritter paßt, der von zornigen Brauseköpfen und gefürchteten Streithähnen zeugt." (zit. Ossweil, S. 48)
Ganz dieser Logik folgend wird der auf S. 49 gezeigte Stammbaum der Herren von Oßweil-Owen mit dem "Übelritter v. Owen" begonnen, ohne jedoch eine Jahreszahl oder eine Quelle zu nennen. Im Folgenden werden dann beispielsweise als Beleg angeführt: "Swiggerus de Oswil, der die verwitwete Gertrud von Owen geehelicht" hatte und die "Gebrüder Albertus und Hugo genannt von Owe(n)" (um 1289) (ebd. S. 50); ebenso ein "Albrecht von Affalterbach genannt von Owen" um 1300 (ebd. S. 52). Überdies sollen die Herren von Owen als Vettern der Nothafft, einem anderen schwäbischen Adelsgeschlecht, gegolten haben (ebd. S. 50).
Im Jahr 1365 waren Rugger von Oßweil, Markward von Niefern und Fritz Hochslizz Bürgen in einem Verkauf eines Waldstücks, den Adelheid von Ehrenfels, Gemahlin des Edelknechts Bentz Kayb tätigte. Sie führte ein Siegel, das interessanterweise die Umschrift "'Adelhaidis de Grubingen' und das Wappen der Gruibingen (...) mit dem Widderhorn" (ebd. S. 50) trägt. Daraus folgt, dass mithin "auch diese Herren Abkömmlinge derer von Owen und wiederum löwensteinische Ministerialen" gewesen sein sollen. Wer nun aber diese Adelheid von Ehrenfels respektive Gruibingen war und wie das Oßweiler Widderhorn in ihr Wappen kam, das bleibt dunkel.
Was also wissen wir (oder können wir wissen) über Berthold, den Übelritter? So zahlreich die Belege sind, die für die Herren von Oßweil und ihre - teils fraglichen - Verbindungen zu den Herren von Owen angeführt werden - wie die "Übelritter v. Owen" nach Oßweil kamen bleibt im Dunkel der Geschichte.
Quelle: Ossweil. Vom schwäbischen Bauerndorf zum Ludwigsburger Stadtteil. Herausgegeben von der Stadt Ludwigsburg und der Volksbank Ludwigsburg. Murr: Kraus 1992.
Wird fortgesetzt ...
Ausflug in die Namenkunde
War Berthold von Owen ein "übler Ritter"? So könnte die erste Frage lauten, die man sich angesichts dieses Namens stellen kann. Oder war es ein Spottname bzw. Spitzname, den ihm seine Zeitgenossen verliehen hatten? Als Beispiele seien nur genannt - die aber keine eigentlichen Spottnamen waren - "Pippin der Bucklige" (der erste Sohn Karls des Großen, um 770-811), "Karl der Kahle" (der jüngste Sohn Ludwigs des Frommen, 823-877) oder "Heinrich der Zänker" (Heinrich II. von Bayern, 951-995). Und ebenso der "Rote Ritter" (Parzival", der "Löwenritter" (Iwein, der Ritter mit dem Löwen) oder der "Schwanenritter" (Gralsritter Loherangrin, Sohn Parzivals und Wagners Oper Lohengrin).
Grundsätzlich kann man sagen: Ein Spottname bzw. Spitzname ist nahezu nie selbstgewählt, auch spielen Zustimmung oder Ablehnung des Benannten keine Rolle. Er hat ursprünglich eine negative Bedeutung, die jedoch mit der Zeit zunehmend neutralisiert wird und als "Neckname" zurückbleibt und sich schließlich zum Eigennamen verselbstständigt. Eben dies könnte die Urkunde von 1348 belegen, die Dr. Rolf Götz in seinem Eröffnungsvortrag zum Jubiläumsjahr präsentierte: Heinrich, Dekan von Owen, beurkundet, dass sein verstorbener Oheim Pfaff Albrecht, genannt von Owen, gest. 1332/34, einer Verwandten, Nonne in Kirchheim, eine Rente u.a. aus zwei Morgen Weingarten zu Owen, "bi vbelritters bo(u)ngarten gen bruggen" gelegen, vermachte.