Die untere Kelter
Die obere Kelter
Zeichnungen der Keltern
Abbruch der Oberen Kelter
Keltern und Weinkeller in Owen
Nach einem Vortrag von Fritz Nuffer anlässlich des Stadtrundgangs am 09. Oktober 2010 zum Thema: "Keltern und Wein in Owen"
Abbildung: Ausschnitt aus einer Fotografie, aufgenommen um 1900. Die Rebhänge, die Owen umgeben, sind deutlich zu sehen, ebenso wie die Obere Kelter mit ihrem mächtigen Krüppelwalmdach rechts im Bild.
Fritz Nuffer eröffnete den Stadtrundgang mit dem Thema "Kelter und Weinkeller in Owen" mit der launigen Bemerkung: "Schon 1800 Jahre Weindunst auf Owener Markung". Dieser Einstimmung folgte ein so kenntnisreich wie humorvoll gebotener Vortrag über die beiden Owener Keltern, den Weinanbau auf der Owener Markung und das lebendige Treiben bei der Lese im Herbst.
Schon um 160 n. Chr. ist der Weinanbau in und um Owen bezeugt. Bei der Ausgrabung der villa rustica unter dem Ameisenwinkel wurde ein Weinbecher mit dem Schriftzug "MITE MERUM" gefunden. Der Legionärspensionär, der hier nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst seinen Wohnsitz nahm, liebte es offenbar, entgegen der römischen Sitte den Wein unvermischt zu genießen. Der Becher ist zusammen mit dem Militärdiplom von 153 n. Chr. und anderen Funden im Kirchheimer Museum zu besichtigen.
Die Weinberge um Owen zogen sich einst auf einer Fläche von ca. 60 Hektar über einen Kilometer lang von Süd nach Nord. Sie befanden sich im Osten unter der Teck in den Lagen Hinter der Steige, Wattenlauch (heute Gartenstraße), Zubling (unter dem Schafthaus), Boidt (südlich und nördlich vom Graben) und Heufach ("Huifich"). Dazu kamen im Westen der Stadt noch Rebberge an den Südhängen vom Säubad und Stockert.
Noch 1868 stand Owen mit seinem Weinertrag an der Spitze aller Amtsorte des Oberamtes Kirchheim. 800 Eimer Wein wurden gekeltert, der Eimer zu 300 Liter. So verwundert es nicht, dass Owen einst zwei Keltern hatte.
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Die untere Kelter
Von der unteren Kelter – über ihre Bauzeit gibt es keine Nachrichten – sind noch die Grundmauern erhalten. Mit Außenmaßen von 17 zu 24 Metern war sie ein gewaltiges Gebäude und hatte zuletzt drei Kelterbäume. Im Jahr 1845 wurden in einem Obergeschoss vier Schulräume den Mauern aufgesetzt und am 14. November für den Unterrichtsbetrieb eingeweiht. Am 21. April 1945 wird die Untere Kelter bei einem Fliegerangriff ein Raub der Flammen und vollständig zerstört. Doch bereits zum Maientag 1949, am 27. Mai, war sie wieder aufgebaut und wurde als Schulhaus dem Schulbetrieb übergeben.
Zeichnung: Fritz Nuffer, Owen | |
Die Grundmauern der Unteren Kelter haben trotz der Zerstörung im Jahr 1945 im Schulhaus den Stürmen der Zeit Stand gehalten. Man erkennt sie an der Mauerstärke in den Fensterlaibungen und an dem umlaufenden Fries zwischen dem ersten und dem zweiten Stockwerk, wo schon vorher das zweite Stockwerk aufgesetzt war.
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Die Obere Kelter
Die Obere Kelter war mit Ausmaßen von 19 auf 39 Meter von beeindruckender Größe. Ihre Bauzeit fällt in die Mitte des 15. Jahrhunderts, wie ein dendrochronologischen Gutachten ausweist. Sie war vollständig aus Eichenholz abgezimmert und das Westwerk des Gebäudes lag auf der Mauer der Brustwehr der Stadtmauer auf. Der Überlieferung zufolge hatte sie einst sieben Kelterbäume.
Die Obere Kelter einst ... | ... und das an der gleichen Stelle errichtete neue Gebäude. Die stehengebliebene Stadtmauer wurde in den Neubau integriert. |
Da, wo die Obere Kelter einmal stand, befindet sich heute das Notariatsgebäude. Die Rebflächen wurden im Lauf der Zeit kleiner, Rebkrankheiten ließen den Weinanbau weiter zurückgehen und so wurde das Keltergeschäft in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts gänzlich aufgegeben. Die Zerstörung von 54 Gebäuden in Owen in den letzten Tagen des Zweiten Welkrieges tat ein Übriges. Man war froh, dass man in den großen Kelterräumen die Ställe für Farren und Schafe, Heu- und Strohvorräte unterbringen konnte.
1953 wurde die Kelter abgebrochen. Angeblich war sie zu baufällig geworden und bedrohte die unter der Stadtmauer liegenden Häuser. Bei den Abbrucharbeiten stellte sich allerdings heraus, dass sie ein Meisterwerk der Zimmermannskunst darstellte. So verlor Owen mit seiner altehrwürdigen Kelter ein markantes Wahrzeichen der jahrhundertealten Tradition im Weinbau.
Einige Spuren haben sich aber doch erhalten. Zur Aufbewahrung vom Wein, der nicht von der Presse weg verkauft wurde, waren große Keller notwendig. Eine ganze Anzahl von Kellern hat sich unter Owener Häusern erhalten wie z.B. der ehemalige „Kastenkeller“ und der Keller unter dem Bürgerhaus. Sie befinden sich alle in der Nähe des Platzes, an dem einst die Obere Kelter stand.
Der Abbruch wurde von Fritz Nuffer fotografisch festgehalten. Mit einem Klick auf Abbruch der Oberen Kelter gelangen Sie zu den Bildern, die das Ende des einstmals stolzen Gebäudes dokumentieren.
Abschluss
Zum Abschluss dieses letzten Stadtrundgangs im Jahr 2010 gab es die versprochene Überraschung. Aus dem Schornstein des Törlesbackhauses stieg Rauch. Familie Tischer, die das Backhaus betreibt, hatte Brot, Zwiebel- und Speckkuchen und andere Köstlichkeiten gebacken. Wein und Alkoholfreies standen bereit und so fanden sich die Teilnehmer des Stadtrundganges bei angenehmen Temperaturen an den schnell bereit gestellten Tischen zu einem vergnüglichen Schmaus zusammen.
Der Förderkreis Alt-Owen e.V. dankt allen, die zum Gelingen dieses schönen Nachmittages beigetragen haben.
Bildnachweis: Soweit nicht in anderer Form ausgewiesen liegen die Rechte an allen Bildern zu diesem Beitrag beim Förderkreis Alt-Owen e.V.
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Die Untere und Obere Kelter als Studienobjekt im Schulunterricht
Die Owener Keltern wurden auch in der Schule im Zeichenunterricht als Vorlage verwendet, wie diese drei Zeichnungen beweisen. Von links nach rechts: Die untere Kelter, deren Mauern sich im Schulgebäude erhalten haben. Die Obere Kelter in den eindrucksvollen Studien von Fritz Nuffer und Willi Schmid, der als Schüler 1953 die wohl letzte Abbildung vor ihrem Abbruch anfertigte.
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1953: Der Abbruch der Oberen Kelter
Rebkrankheiten ließen im II. Weltkrieg die Anbauflächen schwinden. Das Keltergeschäft ging zurück. So wurden schon damals Überlegungen angestellt, ob die Obere Kelter abgebrochen und an ihrer Stelle eine kleinere, den Rebflächen angepasste oder stattdessen ein HJ-Heim gebaut werden sollte. Der Krieg unterbrach diese Debatte und so wird sie Farrenstall, zum Lagerraum für die Segelfliegerwerkstatt und Anderes.
Nach den Kriegsjahren lebte die Debatte wieder auf und es wurde der Beschluss gefasst, die Obere Kelter wegen Baufälligkeit niederzulegen. Es bestand wohl die Angst, die Kelter oder Teile davon könnten auf die unter der Stadtmauer stehenden Häuser stürzen. 1953 war dann das Ende des einstmals so prächtigen Beispiels spätmittelalterlicher Zimmermannskunst besiegelt. Fritz Nuffer hat die Abbrucharbeiten fotografiert.
Diese Bilder zeigen das prachtvolle Gebäude kurz vor dem Abbruch.
Vom einst so kunstvoll abgezimmerten Gebälk, das Jahrhunderte überstand, bleibt nur ein Trümmerhaufen. Das letzte Bild zeigt die entblößte Stadtmauer mit ihrer Brustwehr. Sie ist im später neu errichteten Notariatsgebäude erhalten geblieben.
Owen um 1900
Diese Fotografie, aufgenommen von L. Schaller, Stuttgart, wurde von Fritz Nuffer zur Verfügung gestellt. Es zeigt die Stadt Owen inmitten der Weinberge und vor einem entwaldeten Teckberg. Die Obere Kelter ist in der rechten unteren Bildhälfte zu sehen, erkennbar am Krüppelwalmdach, rechts davon das Rathaus.
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