Alt-Owen Förderkreis e.V.

Bernhardskapelle in Owen

Geschichte der Bernhardskapelle

Eine Kapelle in der Oberstadt Owens wurde erstmals 1276 erwähnt. Die Stiftung ist also vorher erfolgt und steht in engem Zusammenhang mit der Stadtgründung Owens nach 1250 unter Herzog Konrad von Teck. Neben dem alten in der Talaue gelegenen Dorf, wo sich auch die über 100 Jahre ältere Marienkirche befand, ließ er am Teckberg die mit Graben, Mauern und Stadttoren befestigte Stadt Owen errichten. Die Stadtmauer hatte eine Länge von etwa 1500 Metern. Reste davon sind noch erhalten. Um auch innerhalb der Stadtmauern eine kleine Kirche zu haben, errichtete man die Bernhardskapelle am Marktplatz. Sie bildete den Mittelpunkt des Städtchens, das 1261 erstmals urkundlich genannt wurde. Der Durchgangsverkehrdurch Owen führte jahrhundertelang durch die Steingaustraße, dann durch das Kirchheimer Tor und die Marktstraße an der Bernhardskapelle vorbei, schließlich durch das Obere Tor zur Stadt hinaus. Die heutige Durchgangsstraße durch Owen, die Bundesstraße 465, wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, als die Bahnlinie im Lenninger Tal angelegt wurde.

Ausmalung um 1400

Um 1400-1420, also über 100 Jahre nach der Erbauung, wurde die Bernhardskapelle mit einer Szenenfolge aus dem Leben des Patrons ausgemalt, und sie wurde im gotischen Stil modernisiert. Anlass war vermutlich der um 1400 überlieferte Stadtbrand innerhalb der Stadtmauern.

Patron der Kapelle war der Hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153), einer der populärsten Heiligen im Mittelalter, dem in unserer Gegend noch weitere Kirchen geweiht waren. Im Jahr 1513 wurde das Gotteshaus erstmals als "Bernhardskapelle" im herrschaftlichen Lagerbuch des Amtes Kirchheim erwähnt. Bei der Sanierung der Kapelle in den 1990er Jahren entdeckte der Landeshistoriker Rolf Götz ein Wappen in der nördlichen Laibung des Maßwerkfensters und identifizierte es als das Familien wappen Bernhards von Clairvaux (Teckbote 11.05.2002).

Zehntscheuer und Ackerbürgerhaus

Nach der Reformation im 16. Jahrhundert wurde die Kapelle nicht wie so viele andere abgebrochen, sondern profaniert und zur kirchlichen Zehntscheuer umgebaut. Das Gebäude wurde also Aufbewahrungsort der früher üblichen Naturalabgaben. Damals wurde wahrscheinlich das mittelalterliche Kirchendach entfernt und die Mauerkrone tiefergelegt. Gleichzeitig wurden Zwischenstockwerke eingezogen. An der Südwand wurden dadurch Teile der Malereien des Christuszyklus zerstört. Nach der Aufhebung der gesetzlichen Zehntpflicht Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude funktionslos und zum Kauf ausgeschrieben. Eine Owener Bauersfamilie erwarb es und baute es ab 1877 zum Bauernhaus mit Stall, Heuboden und Wohnung um. Dabei wurde das Gebäude in kleinere Räumlichkeiten eingeteilt. Eine Zwischenwand trennte den nach Westen zu gelegenen Wohntrakt vom Stall.

Owener Bürgerhaus

1988 erwarb die Stadt Owen das Gebäude. Es erfolgte der Umbau zum Bürgerhaus in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt. 2002 war die Einweihung. Das Gebäude beherbergt heute drei öffentliche Räume, die an die früheren Nutzungen erinnern sollen: Der Sakralraum im Erdgeschoss steht für die Funktion als Gotteshaus, ein niederer Raum im ersten Obergeschoss weist auf die Verwendung als bäuerliche Wohnstube hin. Der große Raum unter dem Spitzdach im zweiten Obergeschoss versinnbildlicht einen Heuboden und die Nutzung als Zehntscheuer.


Literatur:

Rolf Götz: Vergessene Kirchen in Kirchheim und Owen, in: Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck, Bd. 15, 1992, S. 37-73, darin besonders S. 55-69.
Regine Benker: Biographie des Hl. Bernhard, in: Der Teckbote, 2. August 2003 (= Beiträge zur Heimatkunde des Bezirks Kirchheim unter Teck 66, S. 50 f.). Download des Beitrags als PDF: Biographie Bernhards.
Bernhardskapelle Owen, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Esslingen 2005 (= Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Heft 2).
Download des Flyers Die Bernhardskapelle in Owen.

Mehr Flyer gibt es hier.

Bildnachweis: Freskoausschnitte Regine Benker, Owen, alle anderen Alt-Owen Förderkreis e.V.