Alt-Owen Förderkreis e.V.


Die Badstuben in Owen

Das Baden war im ganzen Mittelalter allgemein beliebt. Nicht nur in den Städten, sondern auch au den Dörfern gab es eine Badstube, denn das gemeinsame Baden wurde allgemein als ein "öffentliches Vergnügen" angesehen.

Auch Owen hatte damals zwei Badstuben. Sie befanden sich in der Vorstadt in der heute noch so heißenden Badstraße. Im Städtlenbuch heißt es, dass jedes Jahr auf Martini aus jeder Badstube von den jeweiligen Inhabern 17 Kreuzer und 2 Heller zu zahlen seien. Dieser Betrag entspricht nach damaliger Währung dem Wert von 266 Eiern oder 150 Litern Dinkel.
Städtlenbuch Bd. 1, 1500-1824, angel. um 1730 (OB 87, Bl. 405v-406v)

Vergrößerung der Seiten

Owen
Öwig ohnablößige Hellerzins
Außer der Badstuben
Jährlich auff Martini gefallend.

Hans Jacob Wall Beckh,
im vorigen Lägerbuch Hans
Hummels wittib, und ein
jedesmahliger Innhaber
der Badstueben in der
Vorstatt, Zwischen Hanß
Jacob Deschlers der Kellerey
Kirchheimb zinßbaren be-
haußung, und Hans Jergv Kueteischen Mezgers Zinß-
freyen Gartten Einer-, ander-
seits der Gemeinen Gas-
sen gelegen, fornen die
Gemeine Gassen, hinten
sein selbst aigenes Gärtt-
len stossend, Gibt ge-
Owen
Öwige ohnablößige Hellerzins
Außer der Badstuben
Jährlich auff Martini gefallend

meiner Statt Owen Jähr-
lich auff Martini Owigen
Zinß, Acht Schilling
Und Creuzerwehrung 17 xr 2 hl

Und beruffet sich das vorige
Lägerbuch auff einen Perga-
mentenen Brieff, deßen
Anfang laute: Wir der
Ammann und die Richtere
der Statt Owen unter dem
Schlos Töckh gelegen, be-
kennen etc. und am dato
weiset, Geben in dem Vier-
hundert sechzig und fünfften
Jahr, auff Matthiae Apo-
stoli. Es ist aber besagter
Owen
Öwig ohnablößige Hellerzins
Außer der Badstuben
Jährlich auff Martini gefallend

Brieff nimmer vorhanden,
sondern Vermuthlich in denen
Kriegszeiten verlohren ge-
gangen, dahero solcher hier
nicht einverleibet werden
können.

Summa
Per se

Datierung: 24. Februar 1465
Der Kirchentag des Apostels Matthias fällt jedes Jahr fix auf den 24. Februar. Der neue römische Kalender hat das Fest auf den 14. Mai verlegt.

Zum Seitenanfang

Das Säubad auf dem Pestbild von 1542

Dass Owen wie Bad Boll, Bad Überkingen und Göppingen einmal ein Mineralbad hatte, lebt nur noch in der Erinnerung. Etwa um 1468 wurde die Heilkraft der Quelle entdeckt, und bereits 1487 verzeichnet das Städtlenbuch das Bad als eine feste Einrichtung.

Nun darf man sich fragen, wie ein Heilbad den gewiss nicht verlockenden Namen "Säubad" haben konnte. Und ob es mit der urkundlichen Überlieferung dieses unschönen Namens auch sein Richtigkeit habe. An der Überlieferung besteht kein Zweifel, denn bereit 1487 wird im Städtlenbuch der Name "Säubad" genannt und hält sich über die Jahrhunderte.

Im Jahr 1542 wurde Owen von der Beulenpest heimgesucht und aus diesem Jahr stammt auch ein Stiftungsbild, das im eigentlichen Sinne eine Allegorie auf das Gleichnis vom armen Lazarus (Lukas 16, Vers 19-31) darstellt.

Owener Pestbild von 1542 Transkription des Textes:Vatter Abraham sende Lazarum das er mir das auszwendigest thail in dasz waszer tauche, vnd labe meine zunge, dan Ich wirdt Sehr peiniget in disem flammen. Lucæam 16. an(no) 1542

Die Abbildung erfolgt mit freundlicher Erlaubnis der Evangelischen Kirchengemeinde Owen durch Herrn Pfarrer Ekkehard Graf. Zur vergrößerten Abbildung des Pestbildes klicken Sie bitte auf das Bild.

Dass ein Heilbad eine gewisse Logistik erforderlich macht, will heißen, für den ordentlichen Betrieb sind Holz zur Befeuerung des Badofens und Zehrung, d.h. "Wein und andere nothturfft beyzubringen". Dazu findet sich im Städtlenbuch eine Einung, d.h. ein Vertrag zum Überfahrts- recht für den "Säubäder" über die Äcker und Wiesen, und des Weiteren das Recht, einen Weg "acht Schuhe" weit anzulegen, da es ja keinen ordentlich Fahrweg gab.

Städtlenbuch Bd. 2, 1500-1824, angel. um 1730 (OB 87, Bl. 44v-45r, Auszug)
Owen
Gemeine Weg und Steeg auch
Brucken Betreffend

... in anno 1487 solchergestalten durch
Urthel bekommen hat, daß Er(a), der Säu-
bäder, Jährlich auff Michaelis für
die beschwerdte, die Er denen Äcker
und Wüsen zufügen würdte, auff
die Jauchart Ackers Ein Simri und
Zusamen Vier Simri, waßerley gat-
tung frucht der Acker tragen thut,
erstatten musste. Solten aber die
Äcker Brach ligen, dannoch aber ange-
blümet werden, war der Säu-
bäder auf die Jauchert Ein Simri
Dinckel, denen Wüsen aber Jährlich
Siebenzehen und Ein halben Schilling
zu raichen schuldig; mit dieser ex-
pressen Condition, daß Er, Säubäder,

(a) übergeschrieben
Owen
Gemeine Weg und Steeg auch
Brucken Betreffend

die Gaß, wann es zu beschlossenen
Zeiten gewesen, mit Einem guthen
Schloß und Schlüßel Versehen (auch
den Weg anderster nicht), alß mit
Fahren zu dem Bad, um Holtz, Wein
und andere nothturfft beyzubringen,
gebrauchen, keines Wegs aber an den
auß und einfahren, auch wandlen,
denen so hierzu einiges Recht haben,
verhinterlich seyn solle. Hingegen
aber solle der weg acht Schue weit
seyn und das jenige, was darinnen
wächst, denen Innhaber der Gütter,
so besagten Weg leiden, zugeniesen
verbleiben; wie dann des Urthels ...

Simri: Altes Hohlmaß zur volumenmäßigen Erfassung von Getreide, Hülsenfrüchte u.a., in Württemberg etwas mehr als 22 Liter fassend.

Zum Seitenanfang

Kastenrechnungen aus dem 16. Jahrhundert

Welchen Stellenwert das Säubad im Ortsleben von Owen einnahm, erweisen zwei Kastenrechnungen aus dem späten 16. Jahrhundert. Der Armenkasten in Owen - eine frühe soziale Einrichtung zur Unterstützung von Armen und Bedürftigen - bezahlte zwei Rechnungen, für "verbadet unnd an zehrung uffgewendt", d.h. die Kosten für das Bad und den Bader selbst sowie für Speisen und Getränke für die badenden Personen.

Vergrößerung der Seiten

Steffann Lieben seybädenn, so
Barbara, Hannß Baurmans
wittib, so inn fernndiger
rechnung vergessen und nit
eingesetzt worden, verbadet
unnd an zehrung uffgewendt
uß bevelch des ammans
bezallt iiii gulden i bazen müntz          v lb xiii ß x h
Ursula, Hannß Schuhmachers tochter,
hat 16 tag reverenter im seybaad
gebadet, tags 1 batzen, thut 1 fl 1 batzen,
unnd inn denen 16 tagen uf sie
für zehrung uffgangen 2 lb 7 ß,
inn allem usser gehaiß Amman
unnd Gerichtz für sie ußzahlt
2 fl 3 ortt mintz                                  iii lb xvii ß

Die Beträge mit "5 Pfund 13 Schilling 10 Heller" und "3 Pfund 17 Schilling" scheinen nicht unerheblich zu sein. Dabei entspricht ein Pfund 20 Schillingen oder 240 Hellern. Allerdings ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, den heutigen Wert in Euro zu ermitteln, da der Umrechnung die Kaufkraft für die damaligen Realwerte entgegengesetzt werden müsste. Spekulationen, wie sie sich gelegentlich finden, dass ein Heller dem Gegenwert von 15 Euro entsprochen habe, sind mit großer Vorsicht zu begegnen.

Zum Seitenanfang

Vorträge, gehalten am 23. April 2010:

Fritz Nuffer: Badhaus, Badstraße, Säubad in Owen
Dr. med. Richard Warth: Bäder und Bader in früherer Zeit



Quellennachweis:
Alle Abbildungen und Texte werden zur Verfügung gestellt vom Stadtarchiv Owen; Anfertigung der Digitalisate und Transkriptionen durch das Kreisarchiv Esslingen.
Die Transkriptionen erfolgten gemäß den Grundsätzen für die Textbearbeitung im Fachbereich Historische Hilfswissenschaften – Stand 2009 – der Archivschule Marburg und wurden angefertigt von Kreisarchivoberinspektor Jochen Fuchs M.A. und Kreisarchivinspektorin z. A. Meike Zepf.
Die Abbildungen der digitalisierten Texte des Stadtarchivs Owen sowie deren Transkription unterliegt dem urheberrechtlichen Schutz nach CC Creativ Commons.



Zurück zum Seitenanfang